
Wort zur zweiten Lesung
Von Andrea Geiger
Irgendwann erzählt Jesus diese Geschichte mit der Perle und dem Schatz im Acker (Mt 13, 44–46). Es geht darum, alles zusammenzukramen, um das Eine dafür haben zu können. Alles für das Eine. Was muss dieses Eine für einen ultimativen Wert haben? Es geht um das Himmelreich, das Reich des Vaters, von dem Jesus erzählt. Im ersten Buch der Bibel wird dieses Reich beschrieben: Alles ist gut – für ALLE. Und wunderschön für alle. Genug für alle. Platz für alle. Geliebt und geborgen. Leben in Fülle für alle.
Was auch immer dann passiert ist, was verloren gegangen ist – damals im Garten, als wir begannen, die Verantwortung für unsere Fehler abzuschieben. Seitdem ist die Welt, die von Gott in ihr Dasein geliebt wurde, aus dem Lot. Doch in den Menschen schlummert seitdem die Sehnsucht, dass alles wieder gut wird. Wenn Gott einen Plan hat, dann den, dass sich genau diese Sehnsucht erfüllt. Sein Eingreifen in die Welt ist jedoch niemals manipulativ und schon gar nicht diktatorisch. Gottes Strategie ist ein liebevolles Umwerben von jedem Einzelnen von uns. Der große Liebhaber des Lebens sucht und umgarnt uns mit unendlicher Geduld, Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Hingabe. Auch seine Menschwerdung war und ist bis heute ein sanftes Anfragen und Warten auf unsere Antwort.
Paulus hat es verstanden und schreibt seiner geliebten Gemeinde von Philippi davon: Die ultimative Erfahrung von Geliebt, Angefragt, Ergriffen sein … Das weckt die tiefe Sehnsucht in uns nach Reich Gottes, nach „Alles wird gut für alle“. Einer hat uns davon nicht einfach nur erzählt, sondern gezeigt, dass es möglich ist. Ihm möchte Paulus gleich werden. So geht Christ-Sein, werden wie Christus, ihm gleich werden. Und ich stelle mir uns, die Kirche, vor, wie wir genauso liebevoll und sanft einen Hauch seines Reiches in diese Welt pusten.
Andrea Geiger ist Projektassistentin im Pastoralamt der Katholischen Kirche Vorarlberg.
Kontakt: sonntag@koopredaktion.at