
von Sr. M. Anastasia Franz
„Die Musik ist natürlich ein Erbe: Mein Ur-Ur-Großvater war der erste Organist in Schoppernau. Mein Urgroßvater war 40 Jahre Organist und Chorleiter“, erklärt die begeisterte Musikerin Rosamunde Moosbrugger. Ihr Großvater spielte ebenfalls Orgel. Ihr Vater war bis zum Tod im Kirchenchor. Rosamundes Mutter war bis zur Hochzeit im Kirchenchor. Dann unterrichtete die musikalische Mutter viele Schüler:innen im Spielen von Klavier, Gitarre und Zither. Alle Kinder von Rosamundes Großvaters waren übrigens im Kirchenchor. Sie erzählt: „Früher durfte bei einer Beerdigung nur das lateinische Requiem gesungen werden. So sangen es bei seiner Beerdigung die eigenen Kinder, da der Großteil des Chores aus ihnen bestand.“
Das Singen und Musizieren ist Rosamunde Moosbrugger somit in die Wiege gelegt worden. Von ihrer Mutter lernte sie Klavierspielen, später setzte sie sich an die Orgel. Am 24. Dezember 1950 durfte sie in der Mitternachtsmesse zum ersten Mal im Kirchenchor mitsingen – nach etlichen Proben versteht sich. Seit damals ist sie ohne Unterbrechung dabei. Einige Jahre später trat sie der Wälder Chorgemeinschaft bei und hält dieser immer noch die Treue. Der Wälder Chor singt vor allem Konzerte und selten in der Kirche, da dort eher weltliche Literatur gesungen wird – auch in Fremdsprachen wie etwa Englisch. Das lernte die Sängerin in der Handelsschule, aber nur das geschäftliche Englisch.
Ihr Herz schlägt aber vor allem für das lateinische Amt. Die Organistin Rosamunde Moosbrugger spielt bis heute jeden Sonntag im Gottesdienst. Hören kann man sie in Egg, Großdorf und in Ittensberg. Die fast 90-jährige rüstige Rentnerin ist mit den Öffis, zu Fuß oder hin und wieder als Beifahrerin des Pfarrers zu den Einsätzen und Proben unterwegs. Schwänzen kommt bei ihr nicht infrage.
Nach dem Abschluss der Handelsschule wurde ihr bald eine Stelle im Sägewerk Egg angeboten. Sie blieb bis zur Pensionierung – also 41 Jahre und drei Monate. Sie erledigte alle Büroarbeiten für den Familienbetrieb. Bis heute hat sie einen guten Kontakt zur Familie ihres Chefs: „Ich gehöre heute noch zur Familie“, berichtet sie. Und weiter: „Wenn die ein Fest veranstalten oder einen Geburtstag feiern, bin ich immer eingeladen!“
Für Freizeit hat die leidenschaftliche Musikerin nebst den vielen Proben kaum Zeit. Trotzdem verteilt sie regelmäßig 120 Stück von der Zeitschrift „Leben jetzt“ und verkauft den Michaelskalender.
Und warum ist Moosbrugger mit ihren 89 Jahren immer noch in der Kirchenmusik voll aktiv? „Erstens komme ich so zu den Leuten. Aber es ist auch schön zur Ehre Gottes zu singen und zu spielen“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.